Ablenkung ist kein Schicksal

650 Milliarden Dollar werden jedes Jahr in den USA verschwendet, da wir alle zu sehr von unseren technischen Spielzeugen wie E-Mail, Handy und Blackberry abgelenkt werden und nicht mehr schnell genug zurück zu unserer eigentlichen Arbeit finden. Verschwendet im Sinne von Produktivitätsverlusten.

In Deutschland wird es nicht besser aussehen – zumindest hört man an jeder Ecke von Dritten und in vielen direkten Gesprächen vom Schreckgespenst des Information-Overload.

Bei Microsoft, IBM und Kollegen werden schon fleißig Software-Programme entwickelt, die den Menschen die Priorisierung, Sortierung und Ablehnung zu vieler Informationen abnehmen sollen.

Ehrenvolle Ansätze, die aber meiner Erfahrung nach verschiedenste Probleme bergen und Intellekt, Intuition und Imagination in die Maschine verlagern bzw. ganz abwürgen.

Sinnvoller ist ein intelligenter Umgang mit all den Informationen, die so tagtäglich auf einen einströmen:

1 – Priorisierung

Priorisieren kann man nur das Vorhersehbare. Spannend – und manchmal überlebensnotwendig – ist aber das Unvorhersehbare, sind neue Chancen, die sich auftun, sind neue Wege, die man einschlagen könnte.

2 – Tunnelblick

Läßt man sich nicht mehr ein auf das Unvorhersehbare, verstärkt sich nur der bekannte Tunnelblick, der schon längst zu einer C-Level-Krankheit geworden ist.
Man braucht jedoch diese Anstöße, die einen aus dem normalen Trott herauslocken. Es reicht schon lange nicht mehr, sich nur mit seinesgleichen zu beschäftigen, sich vom Kunden und seinen Reaktionen fernzuhalten und Berater um sich zu scharen, die einen noch eingeschränkteren, strategischen Horizont haben.

3 – Intuition

Nur Intuition kann helfen, Entscheidungen schneller und abgesicherter, auch auf der Basis geringerer Informationsdichte, zu treffen.
Intuition ist Übung, ist Erfahrung. Intuition ist umso besser und verläßlicher, je länger man sie trainiert hat und je breiter die Erfahrungen sind, die ihr zugrunde liegen.

Schneidet man sich von Erfahrungen ab, indem man sie nicht mehr macht, oder Erfahrungen Dritter nicht mehr an sich heranläßt, verliert man die Fähigkeit Entscheidungen richtig und erfolgreich zu treffen.

4 – Mustererkennung

Man kann keine Zusammenhänge und Muster mehr erkennen, weil der notwendige Blicke auf das Gesamtbild fehlt.
Der holistische Blick aber ist der relevante, nicht die 3-Monats-Sales, nicht der Marktausschnitt, nicht die marktforscherische Simulation des Konsumenten.

Man selbst muß Trends entdecken und verstehen können, man selbst muß so nah am Markt, so sehr mit ihm verwoben sein, daß man seine Muster erkennen, seine Richtungen deuten, seine Chancen kapitalisieren kann.

5 – Vogelperspektive

Dafür nimmt man idealerweise eine Vogelperspektive ein, die einem erlaubt, über den Tellerrand zu blicken, neue Horizonte auszumachen, neue Strategien zu formulieren und anschließend umzusetzen.

6 – Neugier / Kreativität / Innovation

Neugier muß den Umgang mit seinen technologischen Freunden prägen, die manchmal auch zu ärgsten Feinden degenerieren können. Ohne Neugier keine Entdeckungen, keine Kreativität und Innovation.

7 – Balance

Die Balance zwischen Neugier und Erfahrung entwickelt nicht nur die eigene Intuition weiter, sondern optimiert auch den Umgang mit E-Mail, Handy und Blackberry.

8 – Relevanz

Wichtig bleibt, daß man nicht auf der Flucht vor seinen eigentlichen Aufgaben ist, denn ansonsten können E-Mail, etc. abhängig machen – bieten sie doch den einfachsten und allgemein akzeptiertesten Ausweg.

Insofern bestimmt jeder selbst, wie er mit seinen kleinen Helfern umgeht, ob er sie als Teufel oder Engel sieht und imstande ist, sie entsprechend zu nutzen.

Jeder bestimmt sein Schicksal und seine Zukunft selbst. Jeder hat die Wahl. Jeden Tag, in jedem Moment.
Jedes Mal, wenn eine neue Nachricht verlockend um Aufmerksamkeit schreit.