Liebe Manager: Sachzwänge? – Nennen wir es doch Menschliches Versagen!

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“Sachzwänge” dienen heute ubiquitär als akzeptierte Exkulpation der eigenen Gleichgültigkeit, des eigenen Nichtkümmerns, der eigenen Soziopathie, gar Misanthropie.

Vielleicht muss man das Kind einfach beim richtigen Namen nennen: Menschliches Versagen!
Vielleicht muss man dazu einmal den Finger in die menschliche Wunde legen.
Vielleicht muss man das Thema in Ruhen reflektieren, seine Konsequenzen ziehen – und es in Zukunft besser machen.

Enjoy!

(Den folgenden Text schrieb ich 2013 in den ersten Wochen meiner stationären Chemo als “Konstruktive Reflexion ua. zum Euphemismus ‘Gesundheitssystem’, pars pro toto einer ‘Kultur’, die auf der Stufe des Individuums längst wieder der Barbarei verfallen ist: We all live in our selves and mistake it for life!”.)

“Prolog

… pars pro toto einer ‘Kultur’, die auf der Stufe des Individuums längst wieder der Barbarei verfallen ist. …

Ich musste nachdenken: Sachzwänge an jeder Ecke. Statt Antworten. Hm. Fast schon reflexartig. Statt relevanter Lösungen. Da stimmte doch etwas nicht. Statt Klugheit oder gar Weisheit. Bloße Verwaltung, keine Gestaltung.

Abgespult das brav Auswendiggelernte und Einstudierte. Das, was das Gewissen betäubt, den Bonus wachsen, die Skrupel schrumpfen, die Empathie verwelken lässt.

Der Sachzwang. Das, was uns zu Männern macht, zu Managern, Top-Managern gar…. Ob wir in der Gesundheits-, Pharma-, Politik-, Lebensmittel-Industrie…, et al. arbeiten (also besonders dort, wo die Profite auf Kosten des Wohles aller, der Gesundheit aller gemacht werden).

Der Sachzwang. Herabtropfend von der modernden Decke des Establishments. Ubiquitär verbreitet. Längst massenwirksam. Daher so beliebt. DAS Totschlagargument. Heisse Luft in (produktionstechnisch notwendiger!) übergroßer Verpackung. Jetzt mit 40% noch weniger Inhalt. Homöopathisch. Automatisch. Symptomatisch.”

***

“I. Der Ursachzwang

Profit.
Koste es, was – und am Ende wen – es wolle.

Dieser Ursachzwang, der durch fehlgeleitete Politik, Professoren, Management-Gurus und die organisierte Beratung virus-artig es geschafft hat, sich in jedem abwehrgeschwächten Körper, Geist, System und Institution parasitär zu verbreiten.

Der Sachzwang, immer öfter in der euphemisierenden Verkleidung der Effizienz sich einem rumpelstilzchen-gleich pöbelnd in den Weg stellend – mit der Zeit jede Effektivität verbrennend und sich und seine Jünger zum reinen Selbstzweck überhöhend.
Immer bonus-, idealerweise auch medienwirksam.
> Effizienz – die Effektivität der Dummen!”

***

“II. Der Sachzwang – das pure Menschliche Versagen!

Mussten diese Menschen nicht Nukleus allen Denkens, Planens und Handelns sein? Basis des evidenz-basierten Fortschritts? Die wahre Zukunft des Business?

Wie weit nur musste man über den Dingen schweben, dass einem die Menschen zu Dingen und derart egal wurden? Nur noch Fliegenschisse auf einem Balance Sheet!?

War das nicht äusserst langweilig, da wenig herausfordernd?
> Sachzwang oder Menschliches Versagen!?

Vielleicht weil man selbst nicht vom Fach war!? Weil man Politiker oder Versicherungsmathematiker oder Bänker war!? Weil man sich zwar in den kargen Excel-Zellen wohlfühlte, nicht aber unter lebendigen Menschen!?

Weil man nie selbst gesehen und erlebt hat, welche Hölle man schuf!? Weil es einen aber auch gar nicht interessierte auf diesem kurzen, doch ach so unverzichtbaren Karriereschritt!?
> Sachzwang oder Menschliches Versagen!?

Vielleicht weil man keinerlei Konsequenzen für sein Handeln zu fürchten, man die absolute Macht hatte!? Kein Korrektiv!? Kein Gewissen!?
Nur ein paar noch mächtigere Sachzwänge über sich als man selbst, die von oben herab nach noch mehr Mehr schrien? Je höher, desto Menschlicher Versager!?
> Sachzwang oder Menschliches Versagen!?”

***

“Epilog

Oder gar: Hatte man so nicht auf gewisse Art Selbstmord begangen? Nur weil man nicht erkannt hatte, dass der Sachzwang im Kerne Menschliches Versagen war? Und man selbst auch nicht viel mehr?

Sollte man nicht darüber nachdenken und die relevanten Konsequenzen ziehen, ehe es zu spät war!?

Sollte man nicht ‘unvernünftig’ sein, den Sachzwang Sachzwang sein lassen und man selbst sich nicht länger schuldig machen des Menschlichen Versagens?

Gab es da etwa ganz am Ende etwas fürs Leben zu lernen?
> There is no Sachzwang – just Menschliches Versagen!

Schlimmer noch:
> Der Menschliche Versager kreiert den Sachzwang, so
wie der Sachzwang den Menschlichen Versager kreiert.”

In diesem Sinne!

(Oben fehlen tatsächlich nur wenige Zeilen, hier sieht man übrigens das ganze Bild.)