Während sich Zetsche/Daimler auf der SXSW bemüht, macht Meckel/Wiwo einfach

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Daimler, Wirtschaftswoche und Zigtausende anderer SXSW-Touristen sind dieser Tage in Austin, um einem Festival und ihrem eigenen Image die Ehre zu geben. Ein paar zufällig aus der Timeline gefischte Videos belegen wiedereinmal: wenn Brains und Budgets miteinander ringen, gewinnt das Brain.

Daimler versucht anscheinend, fehlende Inhalte (neudeutsch: Content) durch geballte Produktionsbudgets wettzumachen. So ist zB der Walk von Zetsche/Kawasaki produktionstechnich zwar einwandfrei, inhaltlich jedoch mangelhaft. Höhepunkt ist die Farce, Guy Kawasaki – als Brand Ambassador(!) – Car2Go aus eigener Unkenntnis heraus in diesem Moment neu erfinden zu lassen.
Was hätten die beiden für zukunftsweisende, philosophische Gespräche führen können während sie Stiefel und Karohemden shoppten!?

Wie relevant, context-optimal, informativ, charmant, spontan, lebendig waren dagegen die Video-Selfies von Miriam und Lea. ZB “The power of digital networks“,  “Connected #Mobility“, mit Tim Leberecht zum Thema “Feuer, Führung und Intimität“, “Convergence, Community und Experience“, “Diversity in der Tech-Branche“.
Oder sind genau dies nicht auch spannende Themen für den Chef eines automobilen Weltkonzerns in diesen digitalen Zeiten?

Daimler versucht fehlende Relevanz durch ‘lustige’ Ansprachen des Daimler Chefs als Steward im leeren Flugzeug wettzumachen. Leider fühlt sich der Chef sichtlich unwohl. Da war er sogar in der ‘Anstalt‘ (als Autohauschef Zwetschge) spritziger.

Noch sinnentleerter ist das Video (und die ganze Aktion), das die ‘Openness’ eines Smart-Cabrios mit einem Lügendetektortest des Fahrers belegen wollte – oder so ähnlich.
Kann man machen. Weitaus interessanter wären die Nadelausschläge zu Preis/Leistung, Batterie-Ladezeit und -Reichweite gewesen. Riesiger Aufwand für einen schwachen Gag.

Jedes einzelne Daimler-Video sollte den pars-pro-toto-Anspruch haben, mir Chef Zetsche als den Menschen näherzubringen, dem ich Daimler anvertraue. Dem ich zutraue, das Richtige für meine automobile Zukunft zu tun. Der problemlos Rolemodel auch auf einer SXSW sein kann.
Diese Videos jedenfalls haben das nicht geschafft. Weitere habe ich danach links liegen gelassen. Sorry.

Warum nutzt ein Konzern wie Daimler nicht die SXSW-Chance, sich der Welt als führend in seinen Themenfeldern zu präsentieren, statt sie nur im Flugzeugvideo kurz zu erwähnen: Connectivity – Autonomous Driving – Sharing – Electrification.
Die Wirtschaftswoche hat das doch auch – mit minimalem Aufwand – geschafft.

Oder ist man bei Daimler prioritäts-technisch auf Ford-Niveau (Ford patentiert Verstauen eines Kissens – Softbank launcht $100Milliarden-Visions-Fond) und strategisch auf Henkel-Niveau (Henkels gute 2016-Zahlen, aber enttäuschende Strategie “2020+”: The Not-So-Sticky Strategy)? :)

Ich jedenfalls bin froh, dass Sascha jetzt da ist und sich um Content, Brillanz, und Relevanz kümmert.