Macho-‘Kommunikationstrainer’ oder Wo sind die Feministinnen, wenn man sie braucht? – Repost vom 30.Nov 2011

Auf der Zunge zergehen lassen. 6 Jahre alt, die Story, nicht der Trainer – aber man könnte es meinen.

“Weibliche Körpersprache im Job: Schluss mit Lächeln!”, ist der Artikel in der Süddeutschen überschrieben.

Hoffentlich liest das keine/r, dachte ich. Und ich las es nur, da ich nun neugierig war, wie abstrus der Artikel nach dieser Headline noch werden konnte.

01 – Daß die Autorin keine Ahnung von Management und Menschenführung hat, erkennt man an ihrer Eingangsfrage: “Frauen in Führungspositionen haben manchmal den Eindruck, dass männliche Mitarbeiter ihre Befehle nicht ganz ernst nehmen. Warum?”.

Ihre “Befehle nicht ganz ernst nehmen”? Befehle? Im Management? Im täglichen Miteinander, in der Aufgabe, gemeinsam etwas zu erreichen, was besser ist als wenn der Einzelne es alleine versucht? Hm.

02 – Daß die Autorin selbst nicht auf der Seite der Frauen ist, erkennt man daran, daß sie den Kommunikationstrainer gewähren läßt.

03 – Der gute Kommunikationstrainer antwortet auch noch pflichtbewußt auf die Frage nach dem richtigen Befehl, statt dies richtigzustellen.

04 – Und er antwortet bizarr:
“…mit einem Lächeln mit offenem Mund begleiten oder ihren Kopf dabei zur Seite legen. Das signalisiert Gesprächsbereitschaft – selbst dann, wenn es eigentlich keine Diskussion geben sollte. Im Gegensatz dazu wirkt ein Lächeln mit geschlossenem Mund höflich, ohne den Arbeitsauftrag gleich zu relativieren.”

A – “es eigentlich keine Diskussion geben sollte”? Hallo! Sollte es zu irgendeinem Zeitpunkt einmal keine Diskussion im Unternehmen geben können?

B – Liebe Damen (und Herren) bleibt Ihr selbst! Wenn Ihr mit offenem Mund lächeln wollt, lächelt um Himmels willen mit offenem Mund. Alles, was die Ungezwungenheit, die Natürlichkeit aus dem Alltag nimmt ist Grundsätzlich falsch.

05 – Weiter geht’s:
A – “Wenn ein Mann vor einem Publikum steht, stehen seine Füße etwa schulterbreit auseinander.”

Leider. Bei Männern sieht das sehr schnell prollig und aufgesetzt und dominant aus, und erinnert sehr stark an das männliche, raumgreifende Sitzen. Grenzwertig.

B – “Frauen, die genauso selbstbewusst auftreten, haben ihre Füße deutlich näher beieinander.”

Ja, weil sie aus sich heraus selbstbewußt sind und sein können, und nicht auch noch zusätzlich Dominanzhaltung benötigen.

06 – Und es wird nicht besser:
“Es gibt mehrere Verhaltensweisen, die eine Frau beachten kann, wenn es darum geht, Dominanz zu zeigen. Statt zum Beispiel im Vorbeigehen am Büro ihres Mitarbeiters diesem bei dieser Gelegenheit etwas mitzuteilen, sollte sie ihn besser zu sich zitieren.”

Genau, wenn man die Verbindung zum Mitarbeiter verlieren möchte, wenn man nicht mehr auf Augenhöhe sprechen möchte, wenn man zu Chefin/Chef qua Hierarchie, und nicht qua Persönlichkeit, Charakter und Respekt werden möchte – dann “sollte sie ihn besser zu sich zitieren”.

07 – Das hier könnt Ihr jetzt schon selbst kommentieren:
“Sie erteilt einen Befehl – danach schließt sie den Mund und hält Augenkontakt, mit geradem Kopf und ohne Lächeln. Das signalisiert: ‘Da gibt es für mich nichts mehr zu reden.’ Schweigen und Augenkontakt halten – das sind einfache, aber wirkungsvolle Mittel.”

08 – Hier sind die Errungenschaften der Emanzipation beschrieben:
“Wenn eine Frau die Hand eines Kollegen auf dem Rücken stört, muss sie das sofort kenntlich machen – sie muss es sagen oder durch Gesten verdeutlichen. Der Mann wird es von sich aus nicht bemerken.”

Nach all den Jahren Emanzipation, Abarbeiten an den Geschlechterrollen heißt es immer noch “Der Mann wird es von sich aus nicht bemerken.”? Wo leben wir? Die Frau soll sich ändern, weil der Mann es nicht bemerkt? Weil er keine Erziehung, keine Kinderstube, keinen Respekt vor Frauen hat? Weil er sie einfach bei der nächstbesten Gelegenheit (“Ein Mann hält einer Kollegin beispielsweise die Tür auf – und legt ihr, während sie durchgeht, die Hand auf den Rücken.”), anfaßt?

“Die Frau ist vielleicht irritiert, der Mann denkt sich gar nichts dabei.” Genau, “vielleicht” und “der Mann denkt sich gar nichts dabei”. Dann ist ja alles in Ordnung, oder? – Seltsam, daß er sich “gar nichts dabei” denkt, denn “Bei einem anderen Mann würde er das jedoch nicht machen”.

Der Kommunikationstrainer muß vielleicht einmal über den Unterschied von Ursache und Symptom nachdenken, er muß seine Grundannahmen zu Männern und Frauen überdenken …

09 – Hier sind direkt die gesamten Probleme des Managements in einem Satz zusammengefaßt – und genau das muß geändert und nicht noch weiter unterstützt und gepriesen werden – und der Kommunikationstrainer merkt es nichteinmal:

“Je weiter jemand aufsteigt, desto reduzierter wird die Körpersprache und desto unwichtiger werden Individuen – zumindest in bestimmen Situationen”.

Hier werden die typischen und traditionellen Geschlechterrollen unreflektiert übernommen und ein Lösungsgerüst darübergestülpt, das einfach keine Lösung ist.

Im Gegenteil, diese Ratschläge zementieren die Rollen von Mann und Frau, zementieren Rollenspiele im Unternehmen und im Privatleben, statt endlich das Individuum zu sehen, den Menschen im anderen, nicht die Frau oder den Mann. Statt endlich respektvol mit dem Einzelnen, mit dem Gegenüber und mit der Gruppe umzugehen.

Weder der Trainer, noch die Interviewerin sind hier eine Hilfe.

Helfen kann hier nur die neue, die richtige Handlung, das Sich-nicht-Scheren an den erlernten und oktruierten Mechanismen, die anscheinend noch so tief in uns sind, daß wir sie nicht mehr bemerken.

Wir müssen auf unsere Gegenüber zugehen, mit Leichtigkeit, mit Respekt, mit unserer Persönlichkeit, unserem (guten) Charakter, unserer aufrichtigen und ehrlichen Authentizität und Offenheit.

Wir müssen von den anderen lernen, tatgtäglich, nicht ihnen eine Rolle vorspielen – denn dann können sie nicht von uns lernen.

Wir müssen gemeinsam wachsen, gemeinsam über uns hinauswachsen.

– Repost vom 30.Nov 2011 –

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