Gruner-CEO Julia Jäkel, Medienfrau des Jahres 2017, schaltet das Internet ab

Nächste Woche, am 16. Januar, krönt Horizont Julia Jäkel offiziell zur Medienfrau des Jahres 2017. Die Begründung beginnt mit den Worten: “Ungewöhnliche Wege geht auch Julia Jäkel, …”.

Das kann ich nur unterschreiben: Anfang 2018 die Webpräsenz eines Printtitels wie ART sang- und klanglos für alle Zeiten vom Angesicht der (Netz-)Welt zu löschen, ist sogar mehr als ungewöhnlich. Mancher könnte meinen, es sei dumm.

ART ging offline, um das “Erlösminus der Stammtitel” auszugleichen, wie man aus der euphemisierenden und positivierenden Horizont-Preis-Begründung herausliest. “Die Website von “Art” sei “keine im Markt relevante Größe”, begründete der Verlag das Aus”, schreibt Monopol, der wichtigste ART-Wettbewerber, genüßlich und zurecht.

Das macht natürlich Sinn in einer allein auf Effizienz und Quantitäten getrimmten verlegerischen Haltung. Julia Jäkels Vorgehen hat jedoch nichts mehr mit der Haltung des berühmten Hanseatischen Kaufmannes zu tun, dem Qualität am Herzen lag, der für seine Leute, seine Waren und Produkte, sein Unternehmen gar in die eigene Tasche griff, die Zukunft für alle Beteiligten zu erhalten, gar zu gestalten.

Die ART-Inhalte komplett offline zu nehmen macht ungefähr soviel Sinn, wie den Hamburger Dom Anfang 2018 abzureißen, da der Kirche das Geld für dessen Erhalt fehlt, und eine Visitenkarte mit Photo an dessen Stelle zu legen.

Welch ein Wahnsinn! Julia Jäkel vernichtet kurzerhand mindestens 17(!) Jahre (lt archive.org) harter und wertvoller Arbeit der ART-Crew. Zum Glück könnt Ihr in der Wayback-Machine den Umfang, die Vielfalt, die ganze Welt der Kunst erahnen, die im Online-Auftritt des Art Magazins bis Ende 2017 ihre Repräsentanz fand und nun von der Medienfrau des Jahres 2017 auf immer vernichtet wurde.

Das Printmagazin ART bereichert lt wikipedia den Kunstmarkt seit 1979. Hoffentlich kann es ohne das heutzutage überlebensnotwendige Internet seinen 40sten Geburtstag im Jahre 2019 überhaupt feiern. Die Welt spricht heute über wenig anderes als die vollumfängliche Digitalisierung – und ART verzichtet, statt sich vor allem digital neu zu erfinden?

Wie soll irgendein Printtitel (oder allgemein ein beliebiges Produkt) ohne relevanten Online-Auftritt in diesem Jahrtausend überleben? Wie soll gerade ein visuelles Erlebnis wie ein Kunstmagazin (“ART – DAS KUNSTMAGAZIN”) ohne zwischen den Monatsheften überbrückende und vermittelnde Online-Berichterstattung auskommen, ohne Hinweise auf und Berichte über Ausstellungen, Museen, Künstler, Galerien, Termine, News!? Im Jahre 2018!?

Geht man so nach vorne? Oder gar vorbildlich voran? Wächst man so über sich selbst hinaus? Als Mensch, Marke, Unternehmen? Wird man so Medienfrau des Jahres? Ich weiß nicht. Eher Flop des Jahres, da die Zeichen der Zeit seit Jahr(zehnt)en nicht erkannt wurden und werden, oder? Danke Julia Jäkel, danke Gruner, danke Horizont.

|

| What Value Do You Create?
| Why would anybody Miss You?
| Outgrow Yourself, Inspire the World!

| Wir sollten reden!

[Via facebook, twitter, Linked In kommentieren, liken, sharen!]
[Alle Posts via Mail-Abo!]
[Alle meine alten @Wiwo-Kolumnen lesen.]
[@leadculture bei twitter folgen.]