Abwrackprämie für Deutschland – Repost vom 08. April 2009

“… Einen Tag nur war ich dienstreisend unterwegs und habe das ganze Elend dieses Landes inhalieren müssen. Überdosis!
Überdosis Regulierung. Überdosis Kommerzialisierung. Überdosis Ausbeutung. Überdosis Inkompetenz. Überdosis Egoismen.

Zum Glück nur auf An- und Abreise, nicht jedoch während des eigentlichen Termines. (Vielleicht hat mir genau diese Diskrepanz der Welten erst die Augen für die fatalen Unterschiede geöffnet. Man sollte sich eben nicht allzu lange mit wirklich gebildeten und weitsichtigen Menschen unterhalten.)

Autobahn

01 – Morgens um 0800 die Autobahn zum Köln/Bonner Flughafen. 4 -spurig. Leer!
02 – 7 Dienstwagenfahrer schaffen es, die Bahn trotzdem links außen zu blockieren.
03 – Nun, was heißt blockieren, wenn die automatische Geschwindigkeitsregelung über unseren Köpfen bei leerer Autobahn 80 befiehlt!?

Flughafen

04 – Parkhaus: 4,50 Euro die Stunde! Die Stunde!
05 – 3 Euro für einen Kaffee, 2,60 für ein trauriges Brötchen. Ich dachte, ich sei im Kino.
06 – American Express: Ich lausche den Klängen meines iPod. Weiße gute sichtbare Drähte in meinen Ohren! “Darf ich Sie mal eben was fragen?” – “NEIN!”
07 – Toilette: Vor 1 Minute war jemand da und hat auf dem Kontroll-Zettel, mit zittriger Hand ob der Verantwortung, unterschrieben – und dann keine Zeit mehr gehabt, sauber zu machen.

Sicherheitskontrolle

08 – Die Sicherheit fokussiert sich auf das Sitzen(!) vor der Röntgen-Maschine, Begrüßung war gestern, Freundlichkeit vorgestern, Selbstbedienung mit Schalen ist Trumpf.

09 – Der Manager vor mir muß dreimal durch, er fliegt zum ersten Mal. Erzählt noch vom Ferrari eines Freundes und ruft seine Mutter an, daß er jetzt durch die Kontrolle ist.

Gate, Einstieg und Start 01

10 – Auch bei diesem Flug haben wider Erwarten alle einen Platz bekommen, die auch eine Bordkarte haben. Manager: “Ja, ich muß Schluß machen, muß mich jetzt reindrängeln und mir einen besseren Platz besorgen, meine Sekretärin, Du weißt …”

11 – Wir stehen Fußspitze an Hacke und spüren den noch spitzeren Bauch des Hintermannes in unserem Rücken, sein zu schweres Handgepäck in unseren Kniekehlen, während wir gegen das des Vordermannes gedrückt werden. Einsatz und Leistungsbereitschaft des Mittelmanagements wachsen mit den Herausforderungen – das kennt man vom Kalten Buffet.

12 – Im Flugzeug stehen wir ein wenig rum, weil die Manager nicht der Reihe nach eingestiegen sind, ihr zu schweres Handgepäck verstauen und der Sekretärin sagen müssen, daß sie jetzt ihr Handgepäck verstaut haben und es gleich losgeht, sie sich aber nochmal melden, sobald der Purser allen nochmal erklärt hat, daß die Handys ausgeschaltet bleiben müssen.

13 – Übrigens der Manager ist nicht mehr männlich allein. Die dümmsten Frauen haben sich hochgearbeitet zu den Statussymbolen des männlichen Pendants und blockieren nun auch Wege und Zeiten und Frequenzen mit Twitter-haftem Geplauder ohne selbst zwischen den Zeilen Sinn zu hinterlassen.

Landung 01

14 – Keiner klatscht, obwohl die meisten den Eindruck machten, zum ersten Male zu fliegen.

15 – Ich auch, denn ich fragte trotzig den Steward, ob dies denn kostenlos sei, als er “Snacks. Getränke.” säuselte. “Nein, das gibt es schon lange nicht mehr”, antwortete er traurig, aber ein wenig verliebt. Nicht in mich, sondern in die warme Laugenstange. Mit ein wenig Salz auf der Spitze.

16 – Während das Flugzeug – also der Flieger – langsam ausrollte, kamen schon die ersten Instant Messages, Tweets und SMSsen und Mailbox-Benachrichtigungen mit einzelnen Trompeten-Soli rein.

17 – Es war viel passiert in der letzten Stunde, schließlich war es seit 90 Minuten halb Zehn in Deutschland. Das Management mußte sich nach dem 55-minütigen Flug updaten. Die Kinder waren in der Schule, die Frau beim Tennis, die Freundin beim Frauenarzt. Sie selbst waren gelandet. Damit hätte man nicht rechnen können, daher eine Nachricht wert. Die Telekom-Industrie muß auch leben.

18 – Daß die Inhalte dieser Konversationen auf dem Niveau der Innovations-Tätigkeit unserer Wirtschaft, der Kompetenz unseres Managements und unserer Politik, der Neugier und Investigations-Freude unserer Journalisten sind, soll nicht weiter verwundern, denn schließlich trifft sich hier allmorgendlich Deutschlands Elite und bereitet dem Fortschritt eine Freude, indem sie ihn links liegen läßt.

Gate, Einstieg und Start 02

19 – Die üblichen Verdächtigen sind wieder da, auch wenn die Gesichter andere sind. Jetzt aber gibt es mehr zu drängeln, denn es ist gleich 1955 (Uhr, nicht Jahr) und alle wollen schnell nach Hause.
Und wenn man drängelt geht es schneller, das kennt der Vertriebsmanager vom Autobahnstau, den er selbst verursacht hat.

20 – Der Manager neben mir muß zweimal ermahnt werden, sein iPhone auszuschalten, dabei hat er das Spiel noch nicht zu Ende gespielt. An Effizienz jedoch ist er bestimmt nicht zu überbieten. Kann mit seinen Wurstfingern immer zwei Buchstaben gleichzeitig tippen auf der virtuellen Tastatur.

21 – Die Managress schräg hinter mir muß ebenso dran glauben, dabei hat sie es doch am schwersten, sich durchzusetzen gegen diese männliche Wolfsmeute, die sich um ihren Job reißt. Schnell noch eine SMS mit den neuen Befehlen raus.

Landung 02

22 – Die ersten bekommen die Wetterberichte rein, die ihnen nun, aufgrund ihrer fehlenden Weitsicht auch nichts mehr nutzen. Ich ziehe meinen Regenmantel über und gehe langsam die Gangway runter zum Bus.

23 – Selbst das 18-jährige Hippie-Mädchen macht sich lustig über die Lenker unserer Welt, die nun ihre Lenker anrufen und erklären, sie seien gelandet und es regne. “Ja, ich weiß, daß Du mir das eben auf die Mailbox gesprochen hast! Nein, ich bin in 20 Minuten da. Machst Du noch was zu essen?” Wenn 18-Jährige es merken …

Parkhaus-Kasse

24 – Daß der Manager, der da an der Automaten-Kasse im Regen steht, nicht gegen ebenselbige tritt, ist verwunderlich. Seine Flüche dringen bis zu mir. Ich beschließe, im Auto zu bleiben und das Handy weiterhin ausgeschaltet zu lassen.
Nein, ich will sehen, wie er mit dieser Situation des kaputten Automaten zurechtkommt. Gar nicht, leider, er geht resignierend auf sein Auto zu. Was will er machen? Seine Mutter anrufen?

25 – Ich steige aus und höre nicht auf ihn, der mir sagt, der Automat sei kaputt, und gehe am kaputten vorbei zum (hoffentlich) funktionierenden an der Rückseite des ersteren.

26 – Der Manager kommt “Der geht? – Ach, ich bin beim Zurücksetzen an ihren Wagen vorne gekommen, aber nur ganz wenig!”

27 – Der Manager braust mit geschätzten 80 km/h durch die 10er/30er-Zone des Flughafens. Seine Dummheit hat ihn vorhin schachmatt gesetzt. Jetzt beschleunigt sie ihn umso mehr. Symptome oder Ursachen? Root Causes? …”

… schrieb ich heute vor 9 Jahren.
In diesem Sinne: Vorbild sein. Immer. Vor allem, wenn gerade keiner guckt.

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